Franz Hochstrasser
geboren am 24.8.1952 in Steinberg
(Bezirk Graz-Umgebung) Verheiratet mit Brigitte Kinder:
Sohn - Franz
Tochter - Julia
Schulausbildung:
Volks-, Hauptschule, Beamten- aufstiegsprüfung
im zweiten Bildungsweg
Berufsausbildung:
Lehre Koch und Kellner, Konzessionsprüfung f. d. Gastgewerbe
Laufbahn:
1.6.1976
-Eintritt als prov. Justizwachmann in die JA Graz-Karlau
Anfang 1977
- 2. Stellv. der Anstaltsküche
Ende 1979
- 1. Stellv. in der Fleischerei
Jänner 1981
- Vertretung des erkrankten
Kostrechnungsführers,
dazwischen immer
allgem. Justizwachdienst,
1983 -1985
E1 Ausbildung
1.7.1985
Leiter des Wirtschaftsbereiches und des Baureferates der JA
Graz-Karlau
1.4.1996
Leiter der JA Wels
1.1.2003
Leiter der JA Graz-Karlau
Nebentätigkeiten:
- Vortragender an der Justizwachschule
- Seminarleiter beim Fortbildungszentrum Strafvollzug
Hobbys:
Hochseesegeln, Theater, Kino, Jazz,
leider zu wenig Zeit
zum Lesen, Schlaraffe (der Junker-Franz)
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Am 18. Oktober 2003
haben Sie 4000 Zivilpersonen in das Hochsicherheits- gefängnis gelassen, was veranlasst Sie zu so einer spektakulären Aktion?
Graz-Karlau feiert heuer, 2003, das 200-jährige
Bestehen. Im Jahr 1803 wurden nach Einführung eines Strafgesetzes erstmals Gefangene in
dieser Justizanstalt untergebracht. Seit dieser Zeit hat sich im
Strafvollzug sehr vieles verändert. Ich bin der Meinung, dass der
Steuerzahler, der für all das aufkommen muss, ein Recht hat, zu
sehen, was mit seinem Geld geschieht. Außerdem ist es die
Gelegenheit, den Bürgern zu zeigen, was das Personal in einer
Justizanstalt leistet um so Vorurteile auszuräumen. Das hat mich veranlasst, einen "Tag der offenen Tür" zu
veranstalten. Die große Zahl von Besuchern hat gezeigt, welch enormes Interesse an
Information über den Strafvollzug in Österreich besteht.
Die Justizanstalt Graz-Karlau gehört zu den größten Gefängnissen in Österreich, welche Ausmaße hat die von
Ihnen geleitete Dienststelle?
In der Justizanstalt Graz-Karlau sind derzeit ca. 520 Gefangene mit einem
Mindeststrafausmaß von achtzehn Monaten untergebracht. Darunter
befinden sich viele mit lebenslänglichem Freiheitsentzug und auch
besonders gefährliche Straftäter. Der Schwerpunkt der Aufgaben in
Graz-Karlau liegt in der Berufsausbildung, in der therapeutischen
Betreuung von geistig abnormen Rechtsbrechern sowie von Sittlich-
keitstätern.
Der tägliche Dienstbetrieb verlangt vom Personal einen enormen Einsatz, wie
motivieren Sie Ihre Kollegen dazu?
Es ist richtig, der Einsatz der Kollegen ist enorm. Um den
täglichen Dienstbetrieb aufrechtzuerhalten bedarf es von jedem
Einzelnen eines besonderen Engagements. Es ist für mich immer
wieder ein Erlebnis zu sehen, mit welchem Ehrgeiz die
Justizwache- beamten an ihr schwierige Arbeit gehen. Als ich diese Dienststelle
übernommen habe, habe ich als Erstes die Einteilung des Personals
geändert und - wie ich glaube - verbessert. Das hat vorerst Unbehagen unter meinen
Mitarbeitern ausgelöst. Ich glaube aber, dass der Großteil schon
bemerkt hat, dass sich alle leichter tun, wenn die Belastungen
gleich- mäßig verteilt sind. So konnte dadurch z.B. auch die
Urlaubseinteilung verbessert werden.
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Sehr wichtig erscheint mir, alle Mitarbeiter zu informieren und in Entscheidungen
einzu- beziehen. So habe ich ver- anlasst, dass alle Anordnungen und Entscheidungen jederzeit
über das interne Computernetz nachvollzogen werden können.
Bei der Planung und Umsetzung von neuen Projekten halte ich mich an die
Benediktiner- Regel, sie ist 1450 Jahre alt und lautet: "Wenn der Abt ein schwieriges
Problem hat, dann ruft er alle Brüder zusammen, denn der Herr kann es auch einem
jüngeren gegeben haben."
Sie sprechen von weiteren Projekten, was haben Sie in nächster Zeit vor?
Ich habe die Justizanstalt Wels, in der lange Zeit nichts
geschehen war, sowohl baulich als auch organisatorisch an einen zeitgemäßen
Strafvollzug herangeführt. Ich habe mir das auch für Graz-Karlau zum Ziel
gesetzt. So habe ich die Erarbeitung eines Organisations-
konzeptes initiiert, an dem meine Kollegen im Rahmen eines Projekts derzeit arbeiten.
Das Ergebnis soll bis April 2004 stehen und Dienstnehmer sowie Dienstgeber
gleicher- maßen zufrieden stellen.
Der Strafvollzug kommt immer wieder in die
Schlagzeilen, welche Einstellung haben Sie zum Strafvollzug in Österreich?
Wenn es mir und meinen Kollegen gelingt einen guten Vollzug zu machen und der
entlassene Straftäter eine Anstellung findet, kommt das Geld, das in den Strafvollzug
investiert wurde, wieder zurück. Es ist also notwendig mit den Insassen etwas zu
unternehmen. Ich halte es da mit einem von mir sehr geschätzten, leider zu früh
ver- storbenen legendären Anstaltsleiter, Herrn Hofrat Dr. Karl Schreiner, der gemeint
hat, wenn es uns gelingt aus einem Räuber einen Dieb zu machen, dann haben wir schon
etwas gewonnen.
Welchen Wunsch hat der
Leiter der justizanstalt Graz-Karlau?
Ich möchte, gemeinsam mit dem Dienst- stellenausschuss und meiner Mannschaft, für
die Gestaltung der Organisation und des Dienstbetriebes mehr Freiraum zur
Selbstver- waltung. Die Flexibilisierungsklausel schafft das derzeit noch nicht, denn sie schließt Personalentscheidungen noch nicht genug ein.
Es müsste z.B. möglich sein, an einer Dienst- stelle, gemeinsam mit der Personalvertretung,
über die Bewertung der Arbeitplätze zu entscheiden.
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