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WHO IS WHO?

Graz, Oktober 2003. 4000 Grazer stürmen die Justizanstalt Karlau. Sie nützen diesen strahlenden Herbsttag für einen Ausflug der besonderen Art: "Heut' gemma in die Karlau." Gefängnisdirektor Franz Hochstrasser ließ zum ersten Mal in der langen Geschichte dieser Haftanstalt einzelne Türen, ja, wirklich nur einzelne, für die Bevölkerung öffnen. "Immerhin finanziert das der Steuerzahler und jeder soll wissen, was mit diesem Geld geschieht", betont der engagierte Oberst. ("Kleinen Zeitung Graz") "Die Exekutive hat den Leiter der justizanstalt Graz-Karlau, Oberst Franz Hoch- strasser, an seinem Arbeitsplatz besucht und folgendes Gespräch geführt:
Franz Hochstrasser

geboren am 24.8.1952 in Steinberg
(Bezirk Graz-Umgebung) Verheiratet mit Brigitte Kinder:
Sohn - Franz
Tochter - Julia

Schulausbildung:

Volks-, Hauptschule, Beamten- aufstiegsprüfung
im zweiten Bildungsweg

Berufsausbildung:

Lehre Koch und Kellner, Konzessionsprüfung f. d. Gastgewerbe

Laufbahn:

1.6.1976
-Eintritt als prov. Justizwachmann in die JA Graz-Karlau

Anfang 1977
- 2. Stellv. der Anstaltsküche

Ende 1979
- 1. Stellv. in der Fleischerei
 
Jänner 1981
- Vertretung des erkrankten 
Kostrechnungsführers, 

dazwischen immer 
allgem. Justizwachdienst, 

1983 -1985 
E1 Ausbildung

1.7.1985
Leiter des Wirtschaftsbereiches und des Baureferates der JA Graz-Karlau

1.4.1996 
Leiter der JA Wels

1.1.2003 
Leiter der JA Graz-Karlau

Nebentätigkeiten:

- Vortragender an der Justizwachschule
- Seminarleiter beim Fortbildungszentrum Strafvollzug

Hobbys:

Hochseesegeln, Theater, Kino, Jazz, 
leider zu wenig Zeit 
zum Lesen, Schlaraffe (der Junker-Franz)

 
Am 18. Oktober 2003 
haben Sie 4000 Zivilpersonen in das Hochsicherheits- gefängnis gelassen, was veranlasst Sie zu so einer spektakulären Aktion?

Graz-Karlau feiert heuer, 2003, das 200-jährige Bestehen. Im Jahr 1803 wurden nach Einführung eines Strafgesetzes erstmals Gefangene in dieser Justizanstalt untergebracht. Seit dieser Zeit hat sich im Strafvollzug sehr vieles verändert. Ich bin der Meinung, dass der Steuerzahler, der für all das aufkommen muss, ein Recht hat, zu sehen, was mit seinem Geld geschieht. Außerdem ist es die Gelegenheit, den Bürgern zu zeigen, was das Personal in einer Justizanstalt leistet um so Vorurteile auszuräumen. Das hat mich veranlasst, einen "Tag der offenen Tür" zu veranstalten. Die große Zahl von Besuchern hat gezeigt, welch enormes Interesse an Information über den Strafvollzug in Österreich besteht.

Die Justizanstalt Graz-Karlau gehört zu den größten Gefängnissen in Österreich, welche Ausmaße hat die von Ihnen geleitete Dienststelle?

In der Justizanstalt Graz-Karlau sind derzeit ca. 520 Gefangene mit einem Mindeststrafausmaß von achtzehn Monaten untergebracht. Darunter befinden sich viele mit lebenslänglichem Freiheitsentzug und auch besonders gefährliche Straftäter. Der Schwerpunkt der Aufgaben in Graz-Karlau liegt in der Berufsausbildung, in der therapeutischen Betreuung von geistig abnormen Rechtsbrechern sowie von Sittlich- keitstätern.

Der tägliche Dienstbetrieb verlangt vom Personal einen enormen Einsatz, wie motivieren Sie Ihre Kollegen dazu?

Es ist richtig, der Einsatz der Kollegen ist enorm. Um den täglichen Dienstbetrieb aufrechtzuerhalten bedarf es von jedem Einzelnen eines besonderen Engagements. Es ist für mich immer wieder ein Erlebnis zu sehen, mit welchem Ehrgeiz die Justizwache- beamten an ihr schwierige Arbeit gehen. Als ich diese Dienststelle übernommen habe, habe ich als Erstes die Einteilung des Personals geändert und - wie ich glaube - verbessert. Das hat vorerst Unbehagen unter meinen Mitarbeitern ausgelöst. Ich glaube aber, dass der Großteil schon bemerkt hat, dass sich alle leichter tun, wenn die Belastungen gleich- mäßig verteilt sind. So konnte dadurch z.B. auch die Urlaubseinteilung verbessert werden.

Sehr wichtig erscheint mir, alle Mitarbeiter zu informieren und in Entscheidungen einzu- beziehen. So habe ich ver- anlasst, dass alle Anordnungen und Entscheidungen jederzeit über das interne Computernetz nachvollzogen werden können. 
Bei der Planung und Umsetzung von neuen Projekten halte ich mich an die Benediktiner- Regel, sie ist 1450 Jahre alt und lautet: "Wenn der Abt ein schwieriges Problem hat, dann ruft er alle Brüder zusammen, denn der Herr kann es auch einem jüngeren gegeben haben."
Sie sprechen von weiteren Projekten, was haben Sie in nächster Zeit vor?

Ich habe die Justizanstalt Wels, in der lange Zeit nichts geschehen war, sowohl baulich als auch organisatorisch an einen zeitgemäßen Strafvollzug herangeführt. Ich habe mir das auch für Graz-Karlau zum Ziel gesetzt. So habe ich die Erarbeitung eines Organisations- konzeptes initiiert, an dem meine Kollegen im Rahmen eines Projekts derzeit arbeiten. Das Ergebnis soll bis April 2004 stehen und Dienstnehmer sowie Dienstgeber gleicher- maßen zufrieden stellen.

Der Strafvollzug kommt immer wieder in die Schlagzeilen, welche Einstellung haben Sie zum Strafvollzug in Österreich?

Wenn es mir und meinen Kollegen gelingt einen guten Vollzug zu machen und der entlassene Straftäter eine Anstellung findet, kommt das Geld, das in den Strafvollzug investiert wurde, wieder zurück. Es ist also notwendig mit den Insassen etwas zu unternehmen. Ich halte es da mit einem von mir sehr geschätzten, leider zu früh ver- storbenen legendären Anstaltsleiter, Herrn Hofrat Dr. Karl Schreiner, der gemeint hat, wenn es uns gelingt aus einem Räuber einen Dieb zu machen, dann haben wir schon etwas gewonnen. 

Welchen Wunsch hat der 
Leiter der justizanstalt Graz-Karlau?

Ich möchte, gemeinsam mit dem Dienst- stellenausschuss und meiner Mannschaft, für die Gestaltung der Organisation und des Dienstbetriebes mehr Freiraum zur Selbstver- waltung. Die Flexibilisierungsklausel schafft das derzeit noch nicht, denn sie schließt Personalentscheidungen noch nicht genug ein. Es müsste z.B. möglich sein, an einer Dienst- stelle, gemeinsam mit der Personalvertretung, über die Bewertung der Arbeitplätze zu entscheiden.


Dezember 2003
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